Ein Blick zurück

 

Um 1900 entstand im Norden von Leipzig ein riesiger Kasernenkomplex, der zeitweilig bis zu 8.000 Soldaten beherbergte und der zweitgrößte seiner Art in Sachsen war. Im Nordwesten der Leipziger Kasernenanlagen wurde am 10.10.1908 das neue Garnisonslazarett dem Militär übergeben.

„Dieses Garnisonslazarett war mit seinem Parkcharakter recht gediegen und unterschied sich aus medizinischer und hygienischer Sicht ganz wesentlich von den bis dahin existierenden Leipziger Krankenhäusern. Neben dem Verwaltungsgebäude umfasste es einzelne Häuser und Pavillons für die verschiedenen Fachgebiete, ein eigenes Heizhaus und sehr viel Grün.“ (Brösel, Karsten: Möckern & Wahren, Zwei Leipziger Ortsteile auf alten Ansichtskarten. Leipzig 2012, Seite 118)

Alle insgesamt 16 Gebäude waren in gelber Klinkerfassade ausgeführt. Auch hinsichtlich der Fassadendetails wie Fensterstürze und Zierbänder war die Gestaltung einheitlich.

Der zentrale Anlagenbereich war als großer Garten gestaltet, der der Erholung der Kranken vorbehalten war. Die Begrenzung des rechteckigen Raumes bildeten 6 Gebäude. Über streng geometrische Wegeführung waren die Hauseingänge auf kürzestem Wege verbunden.

In der Mitte ergab sich ein Wegekreuz, betont durch einen runden Platz. Zwei weitere Plätze waren nördlich und südlich an den Wegen angeordnet. Die Gestaltung war ent-

lang der Querachse spiegelgleich ausgeführt. Ein breiter umlaufender Weg bildete einen Rahmen betont durch einreihige Lindenreihen von je 16 Bäumen an den Längsseiten und zweireihigen Reihen von je 10 Linden an den Stirnseiten. Auch die weiteren Wege in der Mitte waren durch begleitende Alleen gestaltet. Auffällig ist die Freihaltung des Platzes nordöstlich des Haupttores. Wahrscheinlich diente er der  militärischen Repräsentation. Anhand historischer Luftbilder und Ansichtskarten konnte ein etwaiger Lageplan für die Zeit um 1915 nachgezeichnet werden.

Die Kapazität der Anlage lag zunächst bei ca. 100 Betten. Um 1933 wurde die Bettenzahl durch Umbau und Aufstockung der 4 eingeschossigen zentralen Gebäude sowie ein zusätzliches Gebäude im Norden und Osten verdreifacht. Das Grundstück wurde nach Westen erweitert. Südwestlich wurde ein Villengebäude errichtet. Bei den Neubauten aus dieser Zeit wurde die ursprüngliche Formensprache beibehalten.

Nach 1945 wurde die Anlage durch Sowjetische Truppen genutzt. Möglicherweise ist die heutige Befestigung einiger Wege mit Bitumen auf diese Zeit zurückzuführen. Auch einzelne Baumpflanzungen, vorrangig Kiefern und Birken, scheinen aus dieser Zeit zu stammen.

Seit 1990 stand die Anlage leer und war zunehmend dem Verfall preisgegeben. Die historische Gestaltung mit den Lindenreihen und den Gruppen um die runden Plätze ist jedoch noch heute ablesbar.